Wie mit Sommerreifen im Winter

Text: Mirko Boysen

Foto: Benedikt Seidl

Im Dreijahresturnus findet in Sankt Engelmar am Faschingsdienstag ein Nostalgieskirennen statt. Skibegeisterte werfen sich in Outfits aus einer anderen Zeit und schnallen die Holzski an. Astrid Piermeier, ihre Brüder Günther und Hansi und Onkel Josef Piermeier sind nicht nur an der Organisation des Events beteiligt, sondern auch ganz vorn dabei, wenn die Abfahrt ruft.

Klärt mich doch erstmal auf. Wie ist das Nostalgieskifahren denn eigentlich so entstanden?

 

Josef: Das war im Jahr 2000. Da hat unser früherer Sportorganisator gesagt, wir müssen das Nostalgieskifahren zurückbringen, weil das damals 100 Jahre her war. Also haben wir das dann tatsächlich gemacht und organisiert. Ich habe die Kleiderordnung ausgeschrieben: dunkle Kleidung, kein Anorak, keine bunte Klamotten und eben auch Ski ohne Stahlkanten, ohne feste Bindung, nur mit Vorder- oder Hinterstrammer. Die Ferse muss frei sein. Das waren so die Bestimmungen. Da haben sich auch fast alle dran gehalten. Lumpen gibt’s natürlich immer. Bei den Zuschauern kam das dann wirklich gut an, war direkt ein Erfolg. Und seitdem machen wir das jedes dritte Jahr. Wir haben auch so „Stammkunden“ aus der Umgebung, die immer wieder mitfahren, Straubinger, Geiselhöringer, Regensburger und wir natürlich auch selbst.

 

Und warum genau vor hundert Jahren?

 

Astrid: Vor hundert Jahren, um 1900, war das erste Skirennen im Bayrischen Wald und das war eben in Englmar. Da gibt es noch Fotos davon, wie die Leute damals ausgesehen haben. Und deshalb weiß man auch mit was die damals so gefahren sind. Die Herren zum Beispiel eben wirklich so wie der Sepp, ganz in schwarz.

 

Wie kommt man denn an solch altes Equipment, die Ski und die Bekleidung?

 

Josef: Also teilweise hat man das natürlich noch selbst daheim gehabt. Als Leute davon erfahren haben, haben sie sich auch bei uns gemeldet und gesagt: „Wir haben hier Ski daheim, die könnt ihr haben.“

 

Astrid: Das kommt auch immer noch vor. Die Leute rufen in der Tourist Info an und sagen: „Sie machen doch das Nostalgieskirennen, brauchen sie noch Material?“ Und da sind oft wirkliche Schätze dabei, teilweise sehr gut erhaltenes Material. Man freut sich natürlich, wenn mal ein paar gute Ski dabei sind, gute Schuhe und sowas. Weil es das halt nicht mehr so häufig gibt.

 

Und das Skifahren an sich, ist das dann auch sehr viel schwieriger, als mit modernen Ski?

 

Josef: Es ist natürlich nicht einfach ohne Kanten, wenn die Piste dann glatt wird. Das ist wie wenn du mit Sommerreifen im Winter fährst. Und wenn einer denkt mit kurzen Ski ist das leichter, das ist nicht der Fall. Da brauchst du längere Ski, da kannst du dich besser halten als mit den kurzen.

 

Günther: Also ich würde sagen mit modernen Ski ist man viel schneller, aber es ist doch auch gefährlicher. Und mit den alten Ski ist man halt langsamer, aber es ist sehr viel unkontrollierter.

 

Astrid: So jemand wie der Sepp, der mit den Ski noch das Skifahren gelernt hat, so kann die jüngere Generation das gar nicht mehr lernen, weil die das einfach so gewohnt sind und eine solch gute Technik haben und eigentlich alles fahren können. Und je weniger man das lernen musste, auch mit Technik Ski zu fahren, desto schwieriger ist es dann natürlich. Am schwierigsten ist es für die, die nur mit Carving Ski das Skifahren gelernt haben.

 

Wie kann ich mir denn so einen Renntag beim Nostalgieskifahren dann vorstellen?

 

Astrid: Eigentlich geht’s immer um 12 Uhr mittags los.

 

Günther: Du hast das Skiwachsen vergessen. Das ist natürlich das Allerwichtigste. Das macht man eigentlich schon am Vortag oder schon Tage vorher. Da gibt es schon so Tüftler. Das sind ja Ski ohne Stahlkanten. Die muss man dann mit einem Hobel zuschleifen. Und dann werden die natürlich mit allen möglichen Mitteln eingepinselt. Jeder macht das ein bisschen anders.

 

Josef: Jeder meint dann er hat da die besten Ski. Aber das ist wirklich entscheidend, weil wenn man nach den ersten Metern schon kein Wachs mehr drauf hat, dann fährt man auf dem blanken Holz. Und dann geht einfach nichts mehr. Und wenn es nass ist, dann wir es nur noch schlimmer, dann saugt sich das Holz natürlich auch voll.

 

Astrid: Da startet man noch gut und kommt die Buckelpiste noch runter und dann kommt man weiter runter und kommt schon gar nicht mehr voran. Dann muss man erst wieder warten bis es jemanden wirft, damit man wieder an jemandem vorbeikommt.

 

Es ist aber schon nicht nur eine Gaudi, sondern schon ein gewisser Ehrgeiz dabei und es ist durchaus ein richtiges Rennen, richtig?

 

Josef: Also es ist sicherlich keine Faschingsveranstaltung. Klar kommen da Leute auch in anderen Outfits, im Feuerwehranzug oder Lederhosen. Aber schon eigentlich so, wie es eben so vor 100 Jahren gewesen wäre.

 

Astrid: Und es ist an dem Tag selber natürlich schon lustig. Am Dorfplatz ist dann natürlich die Blasmusik da, das Anstellen, die Anmeldung. Da haben wir dann so alte Startnummern, die mit einem Sperl an der Kleidung befestigt werden. Jeder hat eine Startnummer, alle werden eingetragen. Es ist eine riesen Gaudi, man kommt zusammen und schaut, was wer da für ein Material hat. Es gibt einen Material-Check. Damit da auch niemand mit der falschen Bindung fährt oder mit Stahlkanten. Auch kein Belag unten drauf ist oder sowas.

 

Günther: Ja und dann geht’s vom Dorfplatz weg. Wenn die Anmeldung vorbei ist wird noch ein Foto gemacht auf der Kirchentreppe. Und dann wird eigentlich zum Start marschiert. Durchs Dorf, mit der Blasmusik, zu Fuß wird der Aufstieg gemacht. Das sind etwa 150 Höhenmeter. Das ist eigentlich gar nicht schlecht, weil man bis dahin so warm ist, dass das Verletzungsrisiko geringer ist. Das ein oder andere Schnapserl gibt’s natürlich auch.

 

Wie kann ich mir denn so einen Renntag beim Nostalgieskifahren dann vorstellen?

 

Astrid: Eigentlich geht’s immer um 12 Uhr mittags los.

 

Günther: Du hast das Skiwachsen vergessen. Das ist natürlich das Allerwichtigste. Das macht man eigentlich schon am Vortag oder schon Tage vorher. Da gibt es schon so Tüftler. Das sind ja Ski ohne Stahlkanten. Die muss man dann mit einem Hobel zuschleifen. Und dann werden die natürlich mit allen möglichen Mitteln eingepinselt. Jeder macht das ein bisschen anders.

 

Josef: Jeder meint dann er hat da die besten Ski. Aber das ist wirklich entscheidend, weil wenn man nach den ersten Metern schon kein Wachs mehr drauf hat, dann fährt man auf dem blanken Holz. Und dann geht einfach nichts mehr. Und wenn es nass ist, dann wir es nur noch schlimmer, dann saugt sich das Holz natürlich auch voll.

 

Astrid: Da startet man noch gut und kommt die Buckelpiste noch runter und dann kommt man weiter runter und kommt schon gar nicht mehr voran. Dann muss man erst wieder warten bis es jemanden wirft, damit man wieder an jemandem vorbeikommt.

 

Es ist aber schon nicht nur eine Gaudi, sondern schon ein gewisser Ehrgeiz dabei und es ist durchaus ein richtiges Rennen, richtig?

 

Josef: Also es ist sicherlich keine Faschingsveranstaltung. Klar kommen da Leute auch in anderen Outfits, im Feuerwehranzug oder Lederhosen. Aber schon eigentlich so, wie es eben so vor 100 Jahren gewesen wäre.

 

Astrid: Und es ist an dem Tag selber natürlich schon lustig. Am Dorfplatz ist dann natürlich die Blasmusik da, das Anstellen, die Anmeldung. Da haben wir dann so alte Startnummern, die mit einem Sperl an der Kleidung befestigt werden. Jeder hat eine Startnummer, alle werden eingetragen. Es ist eine riesen Gaudi, man kommt zusammen und schaut, was wer da für ein Material hat. Es gibt einen Material-Check. Damit da auch niemand mit der falschen Bindung fährt oder mit Stahlkanten. Auch kein Belag unten drauf ist oder sowas.

 

Günther: Ja und dann geht’s vom Dorfplatz weg. Wenn die Anmeldung vorbei ist wird noch ein Foto gemacht auf der Kirchentreppe. Und dann wird eigentlich zum Start marschiert. Durchs Dorf, mit der Blasmusik, zu Fuß wird der Aufstieg gemacht. Das sind etwa 150 Höhenmeter. Das ist eigentlich gar nicht schlecht, weil man bis dahin so warm ist, dass das Verletzungsrisiko geringer ist. Das ein oder andere Schnapserl gibt’s natürlich auch.

 

Und wie stelle ich mir das vor, wenn dann der Startschuss kommt?

 

Josef: Der Startschuss ist ein Böller und dann gibt es eben einen Massenstart. Inzwischen gibt es auch Altersgruppen, von Kindern bis Senioren.

 

Astrid: Und dann geht’s rund.

 

Gibt es dann auch den ein oder anderen Sturz?

 

Ja also beim letzten Mal habe ich fast die GoPro gecrasht. Ich hatte damals eine GoPro an. Und in der schlimmsten Kurve hat’s mich dann erwischt. Da ist schon einer gelegen, den es schon vor mir geworfen hatte. Und ich habe mich dann natürlich direkt ordentlich bei ihm eingefädelt und dann hat es mich ordentlich zerlegt.

 

Es ist natürlich auch ein besonderer Tag für alle Beteiligten. Da herrscht dann bestimmt auch eine gewisse Aufregung, kann ich mir vorstellen.

 

Günther: Ja, auf alle Fälle. Da geht es vom Start weg. Und das ist dann schon mal einigermaßen steil. Und dann kommt direkt eine Kurve, wo es eng wird und wo dann die ganze Masse, 20 Leute, durch das Nadelöhr durchmüssen. Da zerlegt es dann schon mal die ersten, an der Engstelle. Das ist schon das erste Problem. Wenn man das dann heil überstanden hat, kam man sich kurz etwas ausruhen. Danach geht es über die Buckelwiese, das ist dann eher flach, man kann also ziemlich geradeaus fahren. Und dann kommt der Steilhang, mit zwei S-Kurven. Und das ist natürlich für Zuschauer das absolute Highlight, weil da fliegt dann einer nach dem anderen auf die Nase. Die Fotografen sind alle dort, weil es da natürlich immer die besten Fotos entstehen.

 

Hansi: Und wenn man das dann auch noch geschafft hat, dann kommt der Konditionsteil, weil es dann flach wird. Das ist normalerweise eine Straße, die wird dann mit Schnee aufgeschüttet. Und ab dort muss man dann skaten. In der Regel ist man eigentlich schon völlig fertig, weil die Abfahrt natürlich anstrengend ist, die ist insgesamt so ungefähr zwei Kilometer lang. Und da merkt man dann schon die Oberschenkel.

 

Hört sich schon auch nicht ganz ungefährlich an…

 

Astrid: Es ist eigentlich noch nie wirklich was passiert. Blaue Flecken trägt man immer mal davon oder Materialermüdung gibt es natürlich viel. Die alten Sachen von der Bindung, da reißen dann mal die Riemen. Da wundert man sich manchmal, weil da manche Kandidaten gefühlt 50 mal fallen und doch immer wieder aufstehen und weiterfahren.

 

Gibt es denn auch einen Preis, für den Gewinner?

 

Vor hundert Jahren hat man damals natürlich auch schon Preise gehabt. Da gab es dann einen Zielkrug von der Brauerei aus Straubing. Und auch heute lassen wir noch für die Sieger jedes Jahr einen Keramikkrug mit Zinndeckel, jedes Jahr mit einem anderen Motiv. Und für alle Teilnehmer gibt es bei der Siegerehrung dann für jeden eine Medaille. Als Erinnerung, dass sie dabei waren.

 

Und wie ist es denn mit dem Ehrgeiz bei einem solchen Event? Da wird es doch sicher

 

Hansi: Es gibt echt Leute die wirklich auf das Rennen trainieren, gerade für den Konditionsteil. Und gerade bei der Ausrüstung sind da schon Kandidaten dabei, die sich dann Bindungen besorgen, die es damals vielleicht in Norwegen schon gab und 1950 schon besser waren als die anderen. Damit erfüllen sie dann natürlich theoretisch noch die Bedingungen. Aber da geht die Gaudi dabei natürlich schon fast etwas verloren. Da hat der Spaß ein Loch.

 

Astrid: Die ein oder andere Streiterei kann es dann schon auch mal geben. Die Ausrüstung ist ja auch immer ein wenig Auslegungssache. Ernsthafte Streitereien gibt es da dann aber eigentlich nicht, das wird dann eher so unter den Tisch gekehrt. Aber da sind dann doch auch mal Leute dabei, die unten bei der Materialprüfung einen anderen Ski zeigen, als den, mit dem sie dann im Rennen fahren.

Josef: Aber die Lumpen hat’s immer schon gegeben. Und die wird’s auch weiterhin geben.

Und die ganz kleinen, sind die auch schon mit dabei?

Astrid: Dieses Jahr wollten sie ja eigentlich mitfahren. Aber da es dieses Jahr leider ausfallen musst, hat das Nostalgieskifahren dann hinter unserem Haus stattgefunden.

 

Xaverl: Und dann hat’s mich direkt geworfen und dann wollt ich nicht mehr.

Und war bedeutet es euch persönlich, eine solche Tradition weiter aufrecht zu erhalten?

Josef: Man ist stolz drauf, dass das bei uns schon vor 120 Jahren so gemacht wurde. Und man möchte natürlich, dass das nicht ganz verschwindet.

 

Astrid: Und ich finde, dass es für unsere Familie gerade, die so viel Herzblut in das Skifahren und das Gemeindeleben gesteckt hat, einfach wichtig ist, das dann auch weiterzuführen. Damit das nicht abbricht, für die Leute, die da ehrenamtlich viel Arbeit reinstecken. Es war eben immer mit Arbeit verbunden, diese Skikultur hier mit aufzubauen.

 

Ich nehme an, das Rennen endet dann in einer großen Party?

 

Es gibt dann eine Siegerehrung der ganzen Gruppen mit einem Stockerl aus Heuballen. Die Blasmusik spielt dann auch noch weiter. Und weil es für eine Party meistens eigentlich zu kalt ist, geht das dann in einen traditionelle Kehraus über. Das ist dann auch wirklich schön, weil da dann noch viele da sind. Meistens bis ziemlich spät in die Nacht. Und da stellt man dann auch fest, dass man mit den alten Skischuhen auch wirklich ganz gut tanzen kann.